Das ist meine erste Perücke. Sie ist bereits sieben Jahre alt. Hab ich gut aufgehoben.
Hier sieht man meine zweite Perücke. Schon etwas moderner und frecher. Passt viel besser zu mir, find ich.
Diese beiden Photos sind Anfang 2005 zu Beginn der Chemotherapie aufgenommen.

Und nun noch meine neuste Errungenschaft. Ein ganz neues Model. Mit dieser Perücke fühle ich mich am wohlsten. Mit ihr sehe ich mir am ähnlichsten. Allerdings laufe ich inzwischen meist mit einem Basecape umher oder mit meiner 5 mm kurzen Hochsommerfrisur. Die Chemo ist beendet. Die Haare wachsen wieder.
Perücken find ich gut. Wenn ich genügend Geld hätte, würde ich mir noch einige mehr zulegen. Auf dem unteren Bildern, welche im Juli 2005 aufgenommen sind, sieht man deutlich die Strapazen der Therapien. Augenbraunen und Wimpern fehlen auch. Macht aber nichts. Wächst ja alles wieder nach.
Unter Perücken kann man sich verstecken. Das ist ein Vorteil. Man braucht seine Krankheit nicht zeigen. An den Perücken hab ich nicht gespart. Für mich ist es gut, zu wissen, wenn ich möchte, sehe ich "vernünftig" aus. 

Meist gehe ich allerdings ohne. Ich hab schon immer gerne provoziert. Und ich find es spannend, was ich mit Glatze so alles erlebe.

Vor einigen Tagen sagte z.B. eine Mutter im Supermarkt zu ihrer kleinen Tochter: "stell dich schon mal hinter dem Mann (!) an..." Das Kind betrachtete mich zweifelnd und irritiert. Tja, Kinder schauen genauer hin...

In der Arbeit und in der Erziehung bin ich mir immer meiner Modelfunktion bewusst. Nicht, was ich sage, ist entscheidend, sondern wie ich mich verhalte.

Unsere Gesellschaft ist toleranter geworden. Nun sollte sie auch noch zur Kenntnis nehmen, dass es viele Menschen mit Krebs gibt. Frauen mit Brustkrebs sollten sich nicht verstecken oder gar dafür schämen müssen. Sie bleiben genauso wertvolle Menschen, wie sie vor der Erkrankung waren. Eine Glatze oder eine verlorene Brust entspricht zwar nicht dem herrschenden Schönheitsideal aber, wir Betroffene sind auch selbst dafür verantwortlich, ob Frauen mit einer oder gar keiner Brust in dieser Gesellschaft akzeptiert werden.

Vor einigen Jahren noch, haben sich z.B. viele homosexuelle Menschen nicht getraut, sich zu offenbaren. Inzwischen hat Berlin einen schwulen Bürgermeister. Und das ist gut so.

Ich war schon immer gerne Vorreiter für Angelegenheiten, die mir wichtig waren. Deshalb steh ich zu mir und zeige mich, so wie ich bin. In meiner nächsten Umgebung bin ich anerkannt und keinen stört es, dass ich nicht mehr perfekt bin ! 

Im Oktober 2005

 

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                                                Stand: 30. Januar 2011 09:50:10 +0100