Ein Jahr später wurde auch bei mir die Diagnose Brustkrebs gestellt. Es kam Panik auf. Hätte ich das geahnt, hätte ich mich niemals verschuldet.

Aber es war gut so, wie es war. Ich habe mir noch meinen Traum verwirklicht. Ein Jahr später hätte mir der Mut gefehlt. Heute bin ich froh, dass ich den Garten hab, um Kraft zu schöpfen. Ich hoffe, dass ich es auch weiterhin schaffe, meinen Bank-Verpflichtungen nachzukommen, um uns unser "zu Hause" zu erhalten.

Im Februar 1998 wurde bei mir ein kleiner Tumor  entfernt. Die rechte Brust konnte erhalten werden. Die Entnahme der Lymphknoten ergab keinen Anhalt für Metastasen. Ich bekam aufgrund meiner familiären Belastung jedoch das volle Behandlungsprogramm. 6 Zyklen Chemo und 30 Bestrahlungen, jeweils drei Bestrahlungsfelder: Brust, Achselhöhle und Lymphknoten im Brustraum. 
Im Jahr 2000 starb Eva. Sie konnte noch miterleben, dass ich wie alle Schwestern, genauso gut verkrafte, Krebs zu haben. Für mich ist der Krebs nichts Besonderes mehr. Ich hab es nun vier mal miterlebt. Die letzten zwei Schwestern hab ich bis in den Tod hinein begleiten können.

Eva entschloss sich, als sie nicht mehr alleine aufstehen konnte, ins Krankenhaus zu gehen um uns, elf Menschen mit Wohnungsschlüssel, zu entlasten. Niemand rechnete damit, das sie bereits, am dritten Tag im Krankenhaus, sterben würde. Wir haben noch viele Stunden nach ihrem Tod gemeinsam im Krankenhauszimmer von ihr Abschied genommen. Danke dafür dem Berliner Virchow-Krankenhaus. 

Ich hab bis zuletzt gehofft, dass wenigstens meine Schwester Eva mir erhalten bleibt  Aber auch das sollte nicht sein. 

Ich war mir sicher, infolge des Krankheitsverlaufs meiner drei Schwestern, dass ich mindestens fünf Jahre Ruhe haben würde, bevor die Krankheit sich mit einem Rezidiv wieder melden würde. Mein Arzt sagte, das Wichtigste sei, das ich stressfrei lebe. Das hab ich nicht hinbekommen und so stellte sich im 7. Jahr nach der Ersterkrankung heraus: 4 kleine Tumore in der anderen Brust und zwei Metastasen in den Lymphknoten.

Wieder ein G3 und insgesamt ein "Porsche". Besonders aggressiv und schnell beim Wachsen. Wenn schon, denn schon. Die Brust konnte nicht erhalten werden.

Chemotherapie, keine Frage. Wieder 6 Zyklen aber diesmal ein stärkeres Medikament. Um die Strahlentherapie musste ich kämpfen. Aber ich konnte mich durchsetzen, unterstützt von meinem Onkologen Dr. Haim. Immerhin wurde die Thoraxwand bestrahlt.

Nach Aussage meiner behandelnden Ärztin in der Charite Berlin hab ich eine 90%ig höhere Überlebenschance, nach Entfernung der Eierstöcke und der anderen Brust. Dazu hatte ich mich entschlossen. 

Es musste zuvor ein Gentest gemacht werden. Anfang des Jahres 2006 bekam ich das Ergebnis. Eigentlich war es jedem klar, dass dieser Krebs genetisch ist. Nach Aussage der Gynäkologin der Charite werden diese prophylaktischen OPs aber nur dann von der Krankenkasse gezahlt, wenn eines der bekannten Brustkrebsgene nachgewiesen wird. 

Im Frühling 2006 wurden die Eierstöcke entfernt. Die Brust sollte im Herbst folgen. Diese OP musste ich verschieben, da die BFA mir zu dieser Zeit eine REHA verordnete. Danach begann der Kampf ums Geld, der noch immer anhält. Bis dies abgeschlossen ist schiebe ich die OP weiter auf. An mehreren Fronten mag ich nicht kämpfen.

 

Derzeit geht es mir den Umständen entsprechend gut. Ich bin zufrieden. Ich habe mir fest vorgenommen, die erste Überlebende an Krebs Erkrankte unserer Familie zu werden.

Und ich habe 2006 überlebt. Es kann doch nicht sein, dass Vaters vier Töchter brav und auch noch zeitlich vorhersehbar sterben. 

Brav will ich sowieso nicht mehr sein.

Danke fürs Lesen.

                                                       im Mai 2007

 

Gerlinde verst. 1988
Heidi verst. 1994
Eva verst. 2000
In meinem Herzen lebt Ihr weiter.

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Stand: 12. Februar 2010 14:00:12 +0100