Ich muss so ungefähr sechs Jahre alt gewesen sein, als bei meinem Vater nach längerer Behandlung mit diversen Salben endlich die richtige Diagnose gestellt wurde: Brustkrebs. Leider war es nun für eine erfolgreiche Behandlung bereits zu spät. Als ich neun Jahre alt war, starb mein Vater. Ich war eines von sechs Kindern meines Vater. Er hinterließ vier Töchter und zwei Söhne.
Im Alter von 18 Jahren erfuhr ich, dass meine älteste Schwester Gerlinde an Brustkrebs erkrankt war. Gerlinde verstarb 1988 im Alter von 43 Jahren. Ich war gerade im neunten Monat schwanger. 
Einige Jahre später erkrankte meine zweitälteste Schwester Heidi ebenfalls. 

Mit Heidi verlebten wir Angehörige noch einige schöne Jahre, trotz der Krebserkrankung. Nach ihrer Berentung schrieb sie sich an einer Schule ein, um das Abitur nachzuholen. Obgleich sie es nicht mehr ganz schaffte, an den letzten Prüfungen teil zu nehmen, brachten ihr Kameradinnen das Abi-Zeugnis ans Krankenbett. Danke dafür dem Berlin-Colleg.

Und wir konnten ihren letzten Wunsch erfüllen. Sie wollte zu Hause sterben. Freunde und Familie ermöglichten dies durch eine Pflege rund um die Uhr. Ihr behandelnder Arzt kam zu ihr nach Hause. Morphium ließ er vor Ort, so dass Eva ständig dafür sorgen konnte, dass Heidi Schmerzen erspart blieben. 1994 verstarb auch Heidi, in ihrem eigenen Bett, im Kreise ihrer Lieben.

Nun ging es Schwester Eva zunehmend schlechter. Eine Chemotherapie nach der anderen ließ sie über sich ergehen. Der Linke Arm durch die Zytostatika zerstört. Der rechte Arm infolge eines Lymphödems angeschwollen. Eva lies sich dennoch nicht unterkriegen und absolvierte erfolgreich auch noch eine Psychotherapieausbildung. 

Ihre größte Sorge galt mir. Sie glaubte, dass ich nicht stark genug wäre, diese Krankheit durch zu stehen, würde ich sie auch noch bekommen.

1996 im Alter von 39 Jahren dachte ich, als einzigste Tochter, Vaters Erbe nicht antreten zu müssen. In diesem Alter waren meine drei Schwestern bereits einige Jahre erkrankt.

Ich erfüllte mir einen großen Traum und kaufte, für meinen Sohn und mich, ein kleines Häuschen, ein sogenanntes Handwerkerobjekt. Im Dezember 98 zogen wir in unsere eigene Baustelle.

 

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Stand: 30. Januar 2011 09:49:50 +0100