Etwas, was mir gar nicht liegt, ist anderen zu sagen, was gut für sie ist. Damit will ich auch gar nicht anfangen. Ich kann nur weitergeben, was mir geholfen hat. Da jeder Mensch einzigartig ist, muss er selbst für sich heraus finden, was ihm gut tut. 

 

   

Das Wichtigste für mich ist es, mich einzuordnen. Das heißt, ich stelle fest, das es mir im Vergleich zu dem, was anderen geschieht oder wie es anderen geht, immer noch gut geht. Ich habe nur Krebs. Krebs kann geheilt werden. Es gibt Krankheiten oder Unfälle, die unweigerlich zum Tod führen. Es gibt Krankheiten, die schmerzhafter sind und es gibt Krankheiten, die das Leben stärker einschränken.

Ich habe nur eine Brust verloren. Schlimmer wäre der Verlust eines Beines oder Armes oder der Verlust der Augen z.B.

Schlimm wäre, wenn ich in einem Land ohne vernünftige ärztliche Versorgung leben würde. Ich hab Glück. Ich bekomme Behandlung. Deshalb geht es mir gut.

Ich habe Glück, ich habe ein gesundes Kind und Freunde, die mich akzeptieren, egal wie viele Brüste ich hab.

Ich lebe bewusster als früher, weil ich die Endlichkeit des Lebens begriffen hab. Dafür bin ich dankbar. Dafür war die Diagnose wichtig. Deshalb möchte ich sie auch nicht missen.

Als es mir mal psychisch schlecht ging, ich mich allein und verlassen fühlte, Schmerzen hatte und begann mit dem Schicksal zu hadern, schaltete ich den Fernseher an und zappte umher, um mich ab zu lenken. Ich blieb an einem Film über Zwangsarbeiter im Dritten Reich hängen. Ich sah Menschen, die unter unmenschlichen Bedingungen in Stollen arbeiteten und unter diesen Bedingungen im Durchschnitt nur sechs Wochen überlebten. Ich war fassungslos darüber, was Menschen ertragen mussten und ich schaffte es umgehend, mich wieder richtig einzuordnen. Eigentlich geht es mir gut. Ich kann nicht den Anspruch erheben, das ich immer Gesellschaft habe, immer jemand da ist, der sich um mich kümmert und ich immer im Leben ohne Schmerzen bin. Mir geht es eigentlich gut. Ich muss weder frieren noch hungern und ich habe ärztliche Versorgung.

 

Ich bin der festen Überzeugung, das ein wesentlicher Faktor, der zur Entstehung von Krebs beiträgt, die Psyche betrifft.

Ich mache mir über vieles wenig Gedanken. Ich rauche immer noch, weil ich es nicht schaffe auf zu hören. In meiner Familie sind die Nichtraucher jünger gewesen, als ich es heute bin, als sie starben.

Auch der Ernährung, die sicherlich wichtig ist, messe mich nicht allzu viel Bedeutung bei. Seit meiner zweiten Chemobehandlung fehlen mir so viele Zähne, das ich nur noch "ungesund" essen kann. Hauptsache weich. Ich esse, worauf ich Appetit habe. Ich verlasse mich darauf, dass mein Körper über Appetit verdeutlicht, was er braucht.

Ich arbeite an meiner psychischen Verfassung. Einigen Ballast habe ich bereits über Bord geworfen. So schaffe ich es gut, keine Schuldgefühle für Vergangenes zu haben und mir keine Sorgen um Zukünftiges zu machen. Mit beidem kann ich nichts ändern und nichts beeinflussen. Was geschehen ist, lässt sich nicht mehr ändern und auf vieles was kommt, habe ich keinen Einfluss. Sorgen machen ändert auf keinen Fall irgend etwas. Mich zu sorgen, belastet mich nur. Entweder ich habe die Möglichkeit, aktiv an der Zukunft mit zu wirken oder ich werd sie nehmen, wie sie kommt.

Ich bemühe mich immer, das Positive an allem zu finden. Nichts ist nur schlecht. Jedes Ding hat mindestens zwei Seiten. Nach einigen Schicksalsschlägen bin ich zu der Auffassung gekommen, dass es Gott mit mir besonders gut meinen muss, das er mir so viele Aufgaben sendet, an denen ich wachsen kann und stärker werde. 

Ich plane nicht mehr viel und schon gar nicht weit voraus. Es kommt eh alles anders. Ich leb so gut wie möglich heute.

Ich passe mich meinem Gesundheitszustand an. Wenn es mir gut geht, mach ich was und wenn es mir nicht so gut geht, bleibt alles liegen und ich mach mir einen gemütlichen Fernsehtag im Bett. Keine Arbeit läuft mir weg.

Ich mag mich so wie ich bin. Ich steh zu meinen Mängeln. Ich will keinen Brustaufbau fürs optische und ich scheue mich nicht, meine Narbe und meine Glatze zu zeigen. Im Gegenteil. Ich freue mich über ehrliches Interesse. Ich bin immer noch der selbe Mensch wie früher. Wer mich so nicht mag, soll es lassen. An Menschen, denen Äußerlichkeiten wichtig sind, hab ich eh kein Interesse.    

Wenn Sie eine Anregung finden, würde ich mich freuen. Alles Gute für Sie.

Sigi im November 2005

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Stand: 30. Januar 2011 09:50:10 +0100